20.02.18 9:00

APATRIDE (STATELESS) von Narjiss Nejjar (Berlinale 2018)

Das Make-up sitzt, aber wir sind doch nicht bei Marokkos next Topmodel

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Der Film beginnt mit Nahaufnahmen einer wunderschönen Frau am Strand. Die Haare aufwendig gestylt, das Make-up sitzt perfekt, die Wimpern sind beeindruckend lang. „Sind die echt?“, ist die erste Frage die mir bei dem Film durch den Kopf schießt.

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19.02.18 20:15

3 TAGE IN QUIBERON Von Emily Atef (Berlinale 2018)

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Schönes, spannungsloses Kammerspiel

Die Geschichte des Interviews des Stern-Journalisten Michael Jürgs mit Romy Schneider im April 1981 ist seit der Erstveröffentlichung schon oft erzählt worden. Nicht zuletzt vom Stern selbst anlässlich von Romy-Schneider-Geburtstagen mitsamt den Schwarz-Weiß-Fotos von Robert Lebeck. Die drei Tage an der Bretagne-Küste sind auch Teil von Dokumentarfilmen und zahlreichen Zeitungsartikeln. Im Zeitalter des Internets lässt sich das alles mit wenigen Klicks finden. In DREI TAGE IN QUIBERON macht Emily Atef daraus ein hervorragend besetztes Kammerspiel in mit schön-melancholischen Bildern, selbstverständlich auch in schwarz-weiß.

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MATANGI/MAYA/M.I.A von Steve Loveridge

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Ein Lebensweg wie aus einem Märchen, eine britische Rap-Künstlerin mit tamilischen Wurzeln und einem eigenen Musikstil, der erfolgreich eine neue Art der Popmusik mit politischen Botschaften mischt, eine Menschenrechtsaktivistin, die mutig ihre Meinung sagt und sich mit dem Kampf der tamilischen Unabhängigkeitsbewegung in Sri Lanka solidarisiert, ein Superstar, der zusammen mit Madonna in den USA aufgetreten ist und mit einem Milliardär verlobt war, all das trifft zu auf M.I.A.

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MINATOMACHI von Kazuhiro Soda (Berlinale 2018)

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Du bist zur Ausstellungseröffnung eines Freundes eingeladen. Du schaust dir die Kunstwerke an. Dann kommt der Moment. Dein Freund hat Zeit gefunden. Er steht neben Dir. Ihr unterhaltet Euch. Es arbeitet in Dir. "Ich muss jetzt irgendetwas zu seiner Kunst sagen.…Super?... Großartig? … Geht gar nicht. Ist doch Kunst." Warum muss man zu allem und jedem eine Meinung haben? Insbesondere zur Kunst? Oder zu Filmen? Fragt mich also bitte nicht:

"Wie fandst Du MINATOMACHI ?"

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DIE DEFEKTE KATZE von Susan Gordanshekan (Berlinale 2018)

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Arrangierte Ehen gehen oft nicht gut. Heirat aus Liebe geht aber auch oft nicht gut. Offene Partnerschaften enden dann auch so. Liebe ist kompliziert. Zusammen wohnen, zusammen arbeiten ist auch nicht einfach. Jede engere und auf längere Zeit ausgelegte Interaktion zwischen zwei Menschen ist ein Prozess mit viel Arbeit. Es gibt vier Phasen im Teambuilding: Warming, Storming, Norming, Performing. Das kann man auch auf die Liebe anwenden, zumindest was unter "Partnerschaft" läuft. Hört sich nicht schön an, passt aber.

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DER HIMMEL AUF ERDEN von Reinhold Schünzel und Alfred Schirokauer

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Wenn ausgerechnet der frisch gebackene Präsident des Berliner Sittlichkeitsvereins ein verrufenes Nachtlokal erbt, dann geht es hoch her! Dem Abgeordneten Bellmann passiert just an seinem Hochzeitstag genau dies. In Reinhold Schünzels und Alfred Schirokauers wunderbarer Stummfilm-Komödie DER HIMMEL AUF ERDEN (1927) zeigt das Weimarer Kino auf der Berlinale Screwball-Kunst in höchster Qualität. Bei all den Irrungen und Verwirrungen bleibt kein Auge trocken. Der überschäumende Witz und die unbändige Energie dieses Films, seine feine Situationskomik und großartige Figurenzeichnung, der Sinn fürs perfekte Timing und viele herrlich verrückte Regie-Einfälle machen DER HIMMEL AUF ERDEN zu einem echten Genuss. Schünzel, der sowohl im Filmgeschäft als auch auf der Bühne versiert war, spielt dabei die Hauptrolle gleich selbst. Und zeigt, Jahrzehnte vor Billy Wilder, wie man eine falsche Fummeltrine effektiv in einer Komödie einsetzt.

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L'EMPIRE DE LA PERFECTION von Julien Faraut (Berlinale 2018)

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Der Wutvulkan spuckt rote Asche

Julien Faraut hat einen Dokumentarfilm über John McEnroe und über die Perfektion des Tennis gedreht. Bis auf die beiden Namen stimmt an diesem Satz nichts. Es geht nicht um Perfektion, es geht nicht um Tennis im eigentlichen Sinne und Julien Faraut hat weite Teile des Films auch nicht selbst gedreht, sondern 16mm-Material verwendet, das Gil de Kermadec in den 80er Jahren bei den French Open gedreht hat. Obwohl L'EMPIRE DE LA PERFECTION ein faszinierender Sportfilm ist, bleibt dann noch die Frage, ob es eine Dokumentation ist. Denn eigentlich ist es ein großes Drama, eine große: Ein Mann im Kampf gegen mächtige Gegner – den Kontrahenten auf der anderen Seite des Netzes, die Linienrichter, den Schiedsrichter, die Umstände – den Platz, die Linien und nicht zuletzt gegen sich selbst.

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18.02.18 20:39

FIGLIA MIA von von Laura Bispuri (Berlinale 2018)

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Die moralische Vernichtung ist eine Option

Die 10-jährige Vittoria (Sara Casu) steht zwischen zwei Frauen – eine unmögliche Situation. Zumal Tina (Valeria Golino) und Angelica (Alba Rohrwacher) ihre Mütter sind und sie ihre leibliche Mutter Angelica erst vor wenigen Tagen kennengelernt hat. Laura Bispuri zeigt in ihrem zweiten Film eine ungewöhnliche Dreiecksbeziehung in einem bitterarmen Fischerdorf auf Sardinien.

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303 von Hans Weingartner (Berlinale 2018)

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Jule und Jan begegnen sich zufällig an der Autobahnraststätte. Jule ist mit ihrem Wohnmobil (ein umgebauter Mercedes-Bus 303) unterwegs zu ihrem Freund nach Portugal. Jan trampt und steigt zu. Er ist auf dem Weg zu seinem leiblichen Vater in Spanien, den er nie kennengelernt hat. Eigentlich will er nur bis Köln mitfahren, aber die beiden kommen sich näher und - Überraschung - verlieben sich.

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EVA von Benoit Jacquot (Berlinale 2018)

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Callboy mit hungrigem Blick bekommt durch eine (zumindest für ihn) günstige Fügung, die eine Badewanne involviert, das Leben eines talentierten Stückeschreiber geschenkt. Doch das angenehme Dasein im falschen ist nicht ohne Tücke. Die Pariser Theaterszene dürstet es nach einem zweiten Stück. Durch einen weiteren Zufall trifft der junge Mann auf die Edelprostituierte Eva, die ihn gleich mal k.o. schlägt. Von da an ist der junge Mann entflammt und will, dass Eva sich in ihn verliebt. Aus ihrer Begegnung will er Inspiration für sein neues Stück ziehen. Und vor allem: Er will sie, die der Welt ebenfalls mit einer Maske gegenübertritt, kontrollieren.

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LA PRIÈRE von Cédric Kahn (Berlinale 2018)

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Der 22-jährige Thomas kommt zum Heroin-Entzug in die französischen Alpen. Hier kümmert sich eine katholische Gemeinschaft darum, jungen Menschen einen Weg zurück ins drogenfreie Leben zu ermöglichen: Mit harter Arbeit, Demut und einem starken Zusammengehörigkeitsgefühl, mit Glauben, Liebe und Gebeten. Regisseur Cédric Kahn folgt dem jungen Mann ein gutes Jahr auf seinem Weg – es werden so ziemlich alle prototypischen Stationen eines glaubensbasierten Entzugs durchgespielt: von anfänglichem zornigen Schweigen, über Täuschung und offene Rebellion, Eingewöhnung und Rückfall, bis hin zum Erweckungserlebnis und eigenständiger Entscheidung. Dabei enthält sich der Film weitgehend jeglichen Kommentars. Kritik an der Sinnhaftigkeit eines solchen Entzugs wird nur indirekt deutlich. Wir als Zuschauer müssen uns unser eigenes Urteil bilden.

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DOVLATOV von Alexey German Jr. (Berlinale 2018)

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Sowjetunion, bleierne Zeit, 1971. Leonid Breschnew ist, wenn er nicht gerade einen Auftritt in den absurden Träumen des Schriftstellers Sergei Dovlatov hat, damit beschäftigt, den Hauch von Frühlingsluft zu verscheuchen, der sich in den Jahren zuvor bemerkbar gemacht hat. Darunter leiden besonders jene Freigeister – Schriftsteller, Maler und Dichter gleichermaßen –, die „echte“ Künstler sein wollen und nicht Handlanger der Staatspropaganda. Wer feinsinnige Gedichte schreibt wie Joseph Brodsky oder ironische Geschichten wie Dovlatov, der hat schlechte Karten, überhaupt publiziert zu werden. Gefragt sind stattdessen Loblieder auf die Steigerung der Kohleproduktion. Das verschneite, graue Leningrad bereitet sich im November 1971 auf die großen Staatsfeierlichkeiten zu Ehren der Revolution vor. Zugleich diskutiert ein Grüppchen Dissidenten in einem fort die Frage: Wie kann ich in diesem System sein, der ich sein möchte – oder muss ich dafür fortgehen?

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Fikkefinken: CASANOVAGEN von Luise Donschen revisited

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Ein Käfig, zwei Finken, zwei Stangen. Um genauer zu sein, ein Käfig, eine Finkenfrau, ein Finkenmann und zwei Stangen - eine waagerechte Stange zum Sitzen links, eine waagerechte Stange zum Sitzen rechts. Als das Finkenpaar in den Käfig gelassen wird, ist die Aufregung bei Frau und Mann groß. Verständlich. Wer wird schon gerne ungefragt mit einem Angehörigen, einer Angehörigen des anderen Geschlechts in einen Käfig gesperrt?

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MORGEN BEGINNT DAS LEBEN von Werner Hochbaum (Berlinale 2018)

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Was für ein Wunder es doch eigentlich ist, wenn uns Kinogeschichten und Filmfiguren zutiefst berühren, obwohl sie aus einer anderen Epoche zu uns sprechen! In Werner Hochbaums MORGEN BEGINNT DAS LEBEN aus dem Jahr 1933 ist es das Schicksal eines jungen Geigers, der nach fünf Jahren Gefängnis wieder freikommt und um die Liebe seiner Frau bangen muss. Der Mann irrt durch Berlin, seine Zerrissenheit spiegelt sich in Bildern und Tönen der lärmenden, bedrängenden, einsam machenden Großstadt wider, die eindeutig am Expressionismus geschult wurden. Der Konflikt der Protagonisten wird mit den filmischen Mitteln der Avantgarde zugespitzt und für die Zuschauer intensiv erlebbar gemacht. In einer anderen, sehr starken Szene vereinen sich die höhnischen Kommentare der Nachbarn zu einem fanatischen Chor der Gehässigkeit – verzerrte Fratzen, geflüstertes Gift, anklagend zeigende Finger verdichten sich zu einer alptraumartigen Sequenz.

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17.02.18 23:30

THE BOOKSHOP von Isabel Coixet (Berlinale 2018)

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© the producers / Lisbeth Salas

"You are never alone in a bookshop". Das ist das Motto der jungen Witwe Florence Green, die sich in den fünfziger Jahren in der englischen Provinz im Küstendorf Hardborough gegen den Widerstand einiger Anwohner ihren Traum von einer eigenen Buchhandlung erfüllt. Schon bald nach der Eröffnung des Buchladens verändert sich durch seine Inhaberin und ihr literarisches Angebot das Leben der Leute im Dorf.

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THE WALDHEIM WALTZ von Ruth Beckermann (Berlinale 2018)

Nicht nur Waldheims Walzer

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Natürlich, die Geschichte ist bekannt. Die von Kurt Waldheim, die eng mit der österreichischen Umdeutung der eigenen Geschichte zusammenhängt: Der Narrativ von Österreich als erstem Opfer des Nationalsozialismus. Und obwohl das hinlänglich bekannt ist, lösen die Bilder, die Ruth Beckermann zusammenträgt, Kopfschütteln aus.

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TRANSIT von Christian Petzold (Berlinale 2018)

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In TRANSIT erzählt Christian Petzold eine einfache Geschichte: Georg (Franz Rogowski) flieht vor den deutschen Besatzern gemeinsam mit seinem schwerverletzten Freund Heinz von Paris nach Marseille. Heinz überlebt die Flucht nicht. In seiner Tasche hat Georg die Dokumente und ein Manuskript des Autors Weidel, der sich in Paris das Leben genommen hat. In Marseille trifft er den kleinen Sohn von Heinz und seine Mutter. Und er trifft Marie (Paula Beer). Georg steht vor einer Frage: Wie kann er aus Marseille entkommen, bevor die deutschen Truppen die Hafenstadt erreichen und wen kann er retten? Diese Handlung, die so einfach klingt, ist nicht nur Ausgangspunkt eines Liebesdramas. Petzolds Film, der auf dem Roman Transit beruht, den Anna Seghers 1942 in Marseille schrieb, handelt auch von dem Unterschied zwischen Erinnertem, Erzähltem und Erlebten.

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CASANOVAGEN von Luise Donschen (Berlinale 2018)

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Begehren, Verführung, Lust, Kontrolle, Geschlechterrollen - menschliches Verhalten und erst Recht menschliche Beziehungen sind kompliziert. Wo Vögel nur vögeln, (und so simpel ist es auch nicht, wie uns ein Evolulionsbiologe erklärt) ist bei uns Menschen jede Geste mit Bedeutung aufgeladen.

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THE HAPPY PRINCE von Rupert Everett (Berlinale 2018)

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In seinen letzten Lebensjahren war der große, der geistreiche, der vor Esprit sprühende Oscar Wilde nur noch ein Schatten seiner selbst. Der Schriftsteller war 1895 wegen homosexueller „Unzucht“ zu zwei Jahren Zuchthaus mit harter Zwangsarbeit verurteilt worden. Danach war er ruiniert: körperlich, finanziell, gesellschaftlich und seelisch. Sich als Regisseur auf diese letzten Jahre zu konzentrieren, die Wilde unter falschem Namen im französischen und italienischen Exil verbrachte, erfordert Mut. Was Wilde-Fans so sehr an Wilde lieben, ist hier nur noch in Anklängen vorhanden. Die freche Leichtigkeit, die lässige Eleganz und die spitzen aber gut gelaunten Bonmots sind einem bitteren Sarkasmus gewichen. Der bislang vor allem als Schauspieler bekannte Rupert Everett hatte diesen Mut. Und nicht nur das: Er spielt bei seinem Debüt als Spielfilmregisseur auch gleich die Hauptrolle selbst. Man kann ihn dazu nur beglückwünschen. THE HAPPY PRINCE ist ein rundum gelungener, schonungsloser und ehrlicher Film über einen Menschen, der von der Verlogenheit der Gesellschaft und seinen eigenen Dämonen vernichtet wird.

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16.02.18 22:11

DAMSEL von David und Nathan Zellner (Berlinale 2018)

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Es hätte so schön sein können. Robert Pattinson als tollpatschiges Greenhorn, das seine Verlobte aus den Fängen eines bösen Entführers befreien will und dafür einen falschen Priester anheuert. Und dann ist plötzlich alles ganz anders als gedacht. Versprochen wurde uns eine rasante Western-Parodie. Geliefert wurde eine peinliche Möchtegern-Satire. Die Witze zünden nicht. Die Slapsticks sind bemüht. Der Ton schwankt ständig zwischen schwarzhumorig und dann doch wieder irgendwie ernst gemeint. Zum Verzweifeln. Und zwar lange 113 Minuten lang.

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Eröffnungspressekonferenz "ISLE OF DOGS"

Berlinale Fan-Post

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Na klar, die Eröffnungs-Pressekonferenzen gehören auch dazu. Und platzen aus allen Nähten. Warum? Natürlich nur, weil lauter Qualitätsjournalist/innen wahnsinnig wichtige und tiefgründige Fragen stellen wollen. Und dann vielleicht doch noch ein bisschen, weil Dutzende Berichterstatter aus aller Welt auch mal Promis gucken wollen...

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STORKOW KALIFORNIA von Kolja Malik (Berlinale 2018)

Pandabär flieht vor Mutti

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Das Storkow in Kolja Maliks STORKOW KALIFORNIA bedient alles andere als das erwartbare Bild von Brandenburg. Vielmehr scheint man in diesem Beitrag zur „Perspektive Deutsches Kino“ Hals über Kopf in einem Andy Warhol Film aus den wilden 1970er Jahren gelandet zu sein: Harte Drogen, gieriger Sex, grellbunte Lichter und eine recht vernebelte Sicht auf das Leben finden hier zu einem Roadmovie der besonderen Art zusammen. Ein junger Mann, optisch eine Art Kreuzung aus Kurt Cobain und Pandabär (Augenringe), verbringt seine berauschten Nächte in trostlosen Raststätten-Kneipen bei Storkow, wünscht sich aber verständlicherweise nach Kalifornien. Im Schlepptau hat er eine verlebte ältere Frau, in der man zunächst seine Geliebte vermutet. Aber es ist seine Mutti.

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DAS ALTE GESETZ von Ewald André Dupont (Berlinale 2018)

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Eine echte Preziose zeigt die Berlinale in ihrer Reihe Berlinale Classics mit dem 1923 entstandenen Stummfilm DAS ALTE GESETZ von Ewald André Dupont. In dieser Emanzipationsgeschichte verlässt der Sohn eines Rabbiners sein galizisches Schtetl und damit auch die kulturelle und religiöse Heimat, um sich seinen Lebenstraum zu erfüllen: Er will Schauspieler in Wien werden. Die Geschichte ist in der Mitte des 19. Jahrhunderts angesiedelt und muss vor dem Hintergrund der Migrationsbewegung vieler Ostjuden nach Westen in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gesehen werden – und dem damit verbundenen Erstarken des Antisemitismus. Historisch prallten damals zwei Welten aufeinander – Tradition und Moderne. Und genau diesen cultural clash verhandelt auch Duponts Film, wenngleich vor einer weiter zurückliegenden historischen Folie.

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Die Taschen sind da – Bearology part two

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Die Taschen, die Taschen! Seien wir ehrlich: Es ist jedes Jahr eine große Aufregung darum, nur geringfügig weniger hysterisch als die heißen Diskussionen um das Wettbewerbsprogramm. Hier werden die wirklich großen Fragen gestellt: Welche Mode-Farbe haben die Festivaltaschen in diesem Jahr? Sind es überhaupt Taschen oder leider wieder nur Beutel? Passen alle Programmhefte plus Festivalverpflegung inklusive 2-Literflasche Cola und mein Laptop rein? Und: Sie werden doch wohl nicht wieder so stinken wie diese rosaweißen Ungeheuer aus dem Jahr wannwardasnochmal?

In diesem Jahr kann man sich über die Taschen wirklich freuen. In eleganter Linie streckt darauf der Berlinale Bär seine Tatzen aus, ansonsten sind sie im Design angenehm zurückhaltend. Modebewusste Cineasten oder solche mit Rückenproblemen tragen das Teil als Rucksack, die anderen können gerne auf die Henkel-Variante zurückgreifen. Das Beste: Wir haben die Wahl – Knallrot oder Elegant-Grau sind im Angebot. Viel Spaß damit!

15.02.18 20:00

ISLE OF DOGS von Wes Anderson (Berlinale 2018)

Warum der Hund das Stöckchen holt

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Der Hund ist des Menschen bester Freund. Doch was passiert, wenn der Mensch des Hundes ärgster Feind wird? In Wes Andersons Berlinale-Eröffnungsfilm ISLE OF DOGS wird dieses Gedankenspiel zur schwarzhumorigen Gesellschaftsparabel. Kurzfassung: Ein kleiner Junge will seinen Hund aus der Verbannung retten und zettelt damit eine Revolte an. Bereits zum zweiten Mal seit FANTASTIC MR. FOX lässt Anderson dabei die Puppen tanzen. Mit der äußerst aufwändigen, aber in ihrem Effekt unglaublich bezaubernden Stop-Motion-Technik erweckt er hier erneut eine liebevoll inszenierte, detailreiche Welt zum Leben. Der Grundton des Films ist verspielt, aber er ist durchzogen von düsteren Anklängen an Totalitarismus, Faschismus und Genozid. Dabei wartet Anderson, wie zu erwarten war, mit seinen Markenzeichen auf: Fantastische Regie-Einfälle, wunderbar intelligente Dialoge, skurrile Figuren und Situationen und das sichere Gespür für schräge Komik.

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RÅ von Sophia Bösch (Berlinale 2018)

Muttermilch und Blut

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Sie hat sich ihr Gewehr selbst ausgesucht. Nun wird Linn, 16 Jahre alt, definitiv kein Girlie und auf angenehme, ruhige Weise sehr selbstbewusst, in den tiefen Wäldern Nordschwedens ihren ersten Elch schießen. Begleitet wird sie dabei von ihrem Vater und seinen Jagdfreunden. Die Regisseurin Sophia Bösch inszeniert den Eintritt des jungen Mädchens in diese eingeschworene Männergemeinschaft als eine Art Initiation – die bald aus dem Ruder läuft.

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22.12.17 14:41

Der Bär ist mal wieder los - Bearology part one

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Im dritten Jahr in Folge tapst ein Bär durch die Berlinale-Plakate. Der Plakat-Bär ist äußerst beliebt (siehe Tiere, siehe coole Hauptstadt), deshalb Motto: Never change a winning bear. Diesmal: in metallicfarbener SciFi-Optik. 2016 debüttierte er als Existenzialisten-Bär. Ganz wunderbar melancholisch und fremd stromerte er durch nachtleere Stadtlandschaften; Wong kar-wei ließ auch schön grüßen.

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2017 wurde er dann schon dreister, erlaubte sich als kesser Problem-Bär den einen oder anderen augenzwinkernden Scherz, schmiegte sich etwa eindeutig zweideutig an eine U-Bahnsäule und fuhr Paternoster.

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Nun ist er endgültig zum Star geworden. Glänzend, spacig, abgehoben, turnt er auf der Weltzeituhr und macht den Rössern vom Quadriga-Gespann die Ansage, dass er den Karren eigentlich auch ganz gut alleine ziehen könnte. Als Star-Bär klappert er denn auch alle erwartbaren Sehenswürdigkeiten von Big B brav ab - da war der an den Unorten der Stadt unterwegs seiende, einsame Alain-Delon-Albert-Camus- und-die-anderen-Jungs-in-der-Band-Bär irgendwie schon cooler.

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Doch 2018 kann auch lustig: Der Star-Bär im Whirlpool sieht aus wie ein Frosch im Kochtopf, der nicht merkt, dass das Wasser langsam zu sieden beginnt und es höchste Zeit wäre, die Bärentatzen unter die Arme zu nehmen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

In diesem Sinne: Bon appétit!

11.12.17 18:08

2. Internationales Weihnachtsfilmfestival in Berlin

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Ho, ho, ho! Zum 2. Mal ist das Weihnachtsfilmfestival zu Gast im Kino Moviemento in Berlin. Zu sehen gibt's vom 22. bis 24.12. Filme aus über 20 Ländern: vom norwegischen Weihnachtshorror O HELLIGE JUL über den Dokumentarfilm I AM SANTA CLAUS bis hin zu Weltpremiere MERCY CHRISTMAS (blutig aber lustig). Außerdem FROSTY SHORTS und mehr. Zum kompletten Programm des Weihnachtsfilmfestivals.

04.12.17 11:30

Wes Anderson eröffnet Berlinale 2018

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Wes Anderson eröffnet mit ISLE OF DOGS den Wettbewerb der Berlinale 2018. Damit ist Anderson zum vierten Mal im Berlinale-Wettbewerb dabei. 2014 war sein GRAND BUDAPEST HOTEL ebenfalls Eröffnungsfilm. Dieser Beitrag gewann den Silbernen Bären für den Großen Preis der Jury. ISLE OF DOGS ist Andersons zweiter Stop-Motion-Animations-Film nach FANTASTIC MR. FOX. Die 68. Berlinale beginnt am 15. Februar 2018.

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