17.04.16 22:32

11. filmPolska in Berlin (20. - 27.4.2016)


Trailer zum Festivalbeitrag SIRENENGESANG

Große A-Filmfestivals wie die Berlinale sind für den Festivalbesucher eine völlige Überforderung der Sinne. Man sucht sich aus Hunderten Filmen sein persönliches Programm zusammen und hat am Ende Mühe das Gesehene einigermaßen einzuordnen. Die Trefferquote ist Glückssache, denn in der Regel sind die Aufführungen Premieren und man weiß vorher nur wenig über die Filme.

Da ist es fast schon wohltuend, dass auf dem dem Festival filmPOLSKA nur ein Land im Fokus steht. Die gezeigten Filme sind in der Regel bereits in Polen oder auf anderen Festivals gelaufen.

Das Festival bietet die großartige Chance, einen Einblick in die gegenwärtige Filmkultur des Nachbarlandes zu bekommen. Mit dabei sind u.a. das schräge Meerjungen-Musical SIRENENGESANG (Córki dancingu) von Agnieszka Smonczyńska und der Gewinner des diesjährigen Drehbuch Berlinale-Bären UNITED STATES OF LOVE (Zjednoczone stany miłosci). Beide Filme laufen in der Sektion NEUES POLNISCHES KINO, der vielleicht spannendsten Sektion des Festivals.

Mit einer Retrospektive wird dieses Jahr der Regisseur Jerzy Skolimowski geehrt. 1967 hat er mit Jean-Pierre Léaud den LE DÉPART gedreht und dafür auf der Berlinale den Goldenen Bären bekommen. Über 40 Jahre später war er mit ESSENTIAL KILLING auf den Filmfestspielen in Venedig. Der Film wurde dort mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet und Vincent Gallo bekam den Preis für den besten Darsteller. Jerzy Skolimowski, der übrigens auch kleine Schauspielrollen in David Cronenbergs EASTERN PROMISES und MARVEL'S THE AVENGERS übernommen hat, wird anwesend sein.

Die Festivalfilme laufen in einer feinen Auswahl an Programmkinos u.a. dem Arsenal, dem FSK Kino am Oranienplatz und dem Babylon. Hauptverantwortlich für das Festival ist das Polnische Institut Berlin. Deren Chefin Katarzyna Wielga-Skolimowska ist auch Leiterin von Filmpolska. Verantwortlich für die Kuratierung der Filme ist Kornel Miglus.

20.02.16 20:00

Berlinale 2016: Die Bären

Goldener Bär für den Besten Film

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FUOCOAMMARE (Fire at Sea) von Gianfranco Rosi


Silberner Bär Großer Preis der Jury

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Danis Tanović für Smrt u Sarajevu

Silberner Bär Alfred-Bauer-Preis für einen Spielfilm, der neue Perspektiven eröffnet


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Regisseur Lav Diaz

Hele Sa Hiwagang Hapis (A Lullaby to the Sorrowful Mystery) von Lav Diaz


Silberner Bär für die Beste Regie

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Mia Hansen-Løve für die Regie von L´AVENIR


Silberner Bär für die Beste Darstellerin

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Trine Dyrholm für die Rolle in KOLLEKTIVET


Silberner Bär für den Besten Darsteller

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Majd Mastoura für seine Rolle in INHEBBEK HEDI (Hedi)


Silberner Bär für das Beste Drehbuch
Tomasz Wasilewski für das Drehbuch von ZJEDNOCZONE STANY MIŁOŚCI (United States of Love)


Silberner Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung aus den Kategorien Kamera, Schnitt, Musik, Kostüm oder Set-Design

Mark Lee Ping-Bing für die Kamera in CROSSCURRENT

Berlinale 2016: ZJEDNOCZONE STANY MIŁOŚCI (United States of Love) von Tomasz Wasilewski

Die Vereinigten Staaten der Frauen- und Menschenfeindlichkeit

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Polen Anfang der Neunziger Jahre: Das kommunistische Regime ist Geschichte und die Schule nennt sich stolz Solidarność. Aber von Aufbruchsstimmung ist in der kleinen namenlosen Stadt, in der Tomasz Wisilewskis Film spielt nichts zu spüren. Seine Bilder wirken fast farblos, über allem liegt ein Grauschleier, nicht zuletzt über der Stimmung seiner vier Protagonistinnen: Agata (Julia Kijowska), die sich in den Priester verliebt hat und für ihren Mann nichts mehr empfindet. Die Schuldirektorin Iza (Magdalena Cielecka) ist die unglückliche Geliebte eines Arztes. Die junge Sport- und Tanzlehrerin Marzena (Marta Nieradkiewicz), die von einer Karriere als Model träumt. Und schließlich die Russischlehrerin Renata (Dorota Kolak), die sich so sehr zur Marzena hingezogen fühlt, dass sie sogar einen Sturz im Treppenhaus inszeniert um von ihr umsorgt und berührt zu werden.

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Berlinale 2016: MILES AHEAD von Don Cheadle

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Mit Jazz konnte ich noch nie so richtig viel anfangen. MILES AHEAD könnte das ändern. Wie Melodien entwickeln sich Geschichten parallel, greifen Zeitebenen ineinander, um am Ende ein vielleicht nicht vollständiges, aber doch klar konturiertes Bild entstehen zu lassen.

Die erste Regiearbeit von Don Cheadle ist dem Jazzmusiker Miles Davis gewidmet. Davis war ein ziemlich cooler Hund. Cheadle ist ebenfalls ein ziemlich cooler Hund. Wie nicht anders zu erwarten, ist MILES AHEAD daher ein ziemlich cooler Film.

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Panorama-Publikumspreis an JUNCTION 48 und WHO'S GONNA LOVE ME NOW?

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Die Panorama-Publikumspreise 2016 gehen in diesem Jahr an JUNCTION 48 von Udi Aloni und für den besten Dokumentarfilm an WHO'S GONNA LOVE ME NOW? von Tomer und Bayak Heymann. Adonis Film über eine palästinensische Rap-Gruppe in Lod, einer Kleinstadt nur 20 Kilometer östlich von Tel Aviv, ist eine israelisch-deutsche-amerikanische Koproduktion. Der Musiker Kareem (Tamer Nafar) versucht mit seiner Band eine Karriere zu starten. Dann will die israelische Regierung das Haus der Familie seines Managers räumen und seine Freundin Manar wird von ihrer konservativen Familie unter Druck gesetzt, nicht mehr auf den Konzerten der Gruppe zu singen.

19.02.16 20:14

Bärentipps 2016

Welchen Bären hätten's denn gerne?

Stimmige Bärentipps abzugeben finde ich in diesem Jahr ganz besonders schwer. Kaum ein Film hat mich - wie man so schön sagt - so richtig vom Hocker (oder Kinosessel) gerissen...trotzdem waren einige gute Sachen dabei. Also: Dann tippe ich mal auf...die Filme, denen ich gerne selbst die entsprechenden Bären geben wollen würde...

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Berlinale 2016: WIR SIND DIE FLUT von Sebastian Hilger

Schockstarre am Wattenmeer

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Vor 15 Jahren ist vor der Küste von Windholm das Meer verschwunden und mit ihm alle Kinder des Ortes. Zwei junge Physiker aus Berlin machen sich auf, das geheimnisvolle Phänomen zu untersuchen. Dabei werden sie mit ihrer eigenen Geschichte konfrontiert. WIR SIND DIE FLUT ist der Abschlussfilm von Sebastian Hilger an der Filmakademie Ludwigsburg; er wurde gemeinsam mit der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolff (Potsdam) und unter Beteiligung des rbb realisiert. Hilger überzeugt mit einer Story, die Raum für offene Fragen lässt, und mit äußerst stimmungsvollen Bildern.

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Berlinale 2016: DIE PRÜFUNG von Till Harms

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1992, KLEINE HAIE von Sönke Wortmann. An viel kann ich mich nicht erinnern. Aber diese eine Szene, die ist mir im Gedächtnis geblieben: Durch Zufall stolpert Jürgen Vogel in ein Vorsprechen an einer Schauspielschule. Bevor er weiß, wie um ihn geschieht, ist er auch schon angenommen. Vielleicht fand ich es damals so spannend, weil ich mich (wie so viele, viele andere) selbst an einer Schauspielschule bewerben wollte. Mir war schon klar, dass es nicht so leicht werden würde wie in KLEINE HAIE. Das aber beim Bewerbungsverfahren ein Aufwand getrieben wird, als wolle man Pilot oder Raumfahrer werden, nun, dass habe ich mir auch nicht vorstellen können.

Nach dem Film DIE PRÜFUNG sei allen, die von einer Schauspielkarriere träumen, gesagt: Zieht Euch warm an!

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LA ROUTE D’ISTANBUL (Road to Istanbul) von Rachid Bouchareb

Wenig Antworten, aber auch kaum Fragen

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Im Panorama Special läuft der Spielfilm über eine junge Belgierin, die zum Islam übergetreten ist und von zu Hause abhaut, um in Syrien zu kämpfen. Das Thema ist in aller Mundes, aber der Film wird ihm nicht wirklich gerecht. Die erste Hälfte, in der wir die Mutter Elisabeth und ihre Tochter Elodie in ihrer vermeintlich heilen Welt kennenlernen, ist eigentlich ein guter Einstieg. Allerdings wissen wir viel zu wenig über Elodie – außer, dass sie einen nordafrikanischen Freund namens Kader hat und viel Zeit vor dem Internet verbringt – um den plötzlichen Aufbruch nachvollziehen zu können.

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Berlinale 2016: ZONA NORTE von Monika Treut

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Yvonne Bezerra de Mello ist ohne Zweifel eine mutige Frau voller Energie. Die Frau aus der Elite Rio de Janeiros begreift sich selbst als Wohltäterin, als Fürsprecherin der marginalisierten BewohnerInnen in den Favelas der Stadt. Das ist manchmal nahe an der Grenze zur Selbstdarstellung und zum Klischee. De Mello hat eine neue pädagogische Methode entwickelt, die den Kindern der Favelas mehr Selbstbewusstsein geben soll. Ganz unbescheiden heißt die natürlich: „de-Mello-Methode.“

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18.02.16 22:44

Berlinale 2016: THE SEASONS IN QUINCY: FOUR PORTRAITS OF JOHN BERGER

Welterklärer mit Charisma

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Vier Jahreszeiten im französischen Alpendorf Quincy, ein Künstlergenie im Mittelpunkt: John Berger, Autor, Maler, Kunsttheoretiker, Welterklärer. THE SEASONS IN QUINCY: FOUR PORTRAITS OF JOHN BERGER besteht aus vier filmischen Essays von Colin McCabe, Christopher Roth, Tilda Swinton und Bartek Dziadosz: Ways of Listening, Spring, A Song for Politics und Harvest. Drei der Essays schaffen, das Charisma von John Berger auf die Leinwand zu bringen, interessanterweise auch Spring, in dem Berger selbst gar nicht zu sehen ist. Allein A Song for Politics wird zu einer echten Peinlichkeit. Die Diskussionsrunde aus Berger, den beiden Mitregisseuren Colin McCabe und Christopher Roth sowie dem amerikanischen Schriftsteller und Essayisten Ben Lerner und Akshi Singh ist die Inszenierung eines Nichtgesprächs.

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Berlinale 2016: John Grant im rbb-Bus

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Auf dem Nachhauseweg trottet man an allerlei Berlinale-Bussen, -lounges und -sendungen vorbei. Im rbb-Bus sitzt heute John Grant, ein Amerikaner der munter auf Deutsch parliert. Wer zwischen den Filmen mal Zeit hat: sein letztes Album Grey Tickles, Black Pressure ist sehr hörenswert.

Berlinale 2016: Ehrenbär für Michael Ballhaus

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Michael Ballhaus mit Festivalleiter Dieter Kosslick

Heute Abend wird dem Kameramann Michael Ballhaus der Ehrenbär verliehen. Bei der Pressekonferenz sprach er über die schwierige Zusammenarbeit mit Rainer Werner Fassbinder, die Arbeiten mit Martin Scorsese und seine Verehrung für Paul Newman.

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RUDOLF THOME - ÜBERALL BLUMEN von Serpil Turhan

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Ein Mann um die siebzig rasiert sich, putzt sich die Zähne, geht in der Garten seines Bauernhofes. Zusammen mit seinem Sohn wechselt er das Wasser in seinem Kunstteich, er skypt mit seiner Tochter, die in New York ein Auslandssemester macht. Er fragt sich, ob er mit 80 Jahren wohl 10.000 Fahrradkilometer zusammen bekommt.

Dieser Mann tut vieles, was so viele Männer seines Alters tun. Doch einiges ist ungewöhnlich. Er legt ein dutzend leerer Notizbücher auf den Boden. Intuitiv wählt er eines davon aus. Er legt es auf einen alten Schreibtisch, den er nun sorgsam präpariert. Auf dem Schreibtisch stehen (noch?) einige Heinecken-Bierdosen. Rauchend schreibt er mit Tinte in schöner Schrift einige Seiten, um diese dann später einzuscannen und auf seinen Internet-Blog hoch zu laden.

Rudolf Thome ist Teil deutscher Filmgeschichte. Am bekanntesten ist Thome durch seinen Film ROTE SONNE. 1970 kam dieser Film in die Kinos. Das ist nun fast 50 Jahre her. Um so interessanter ist zu sehen, wie sehr Thome in der Gegenwart lebt und alle Mittel unserer durch-digitalisierten Welt nutzt, um noch einmal einen Film drehen zu können.

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Berlinale 2016: Pressekonferenz zu MILES AHEAD von und mit Don Cheadle

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Don Cheadle mit der Schauspielerin Emayatzy Corinealdi

Don Cheadle stellt heute sein Regiedebüt MILES AHEAD vor. In dem Film spielt er gleichzeitig auch die Hauptrolle und verkörpert Miles Davis.

Auf der PK sagte Cheadle, dass er keinen Film "über" Miles Davis machen wollte, sondern "wie" Miles Davis. Entsprechend gab er den anderen Schauspielern Raum für Dialog-Improvisationen. Als Vorbereitung hat er auch mit Weggefährten des Ausnahmemusikers gesprochen, u.a. mit Herbie Hancock. Cheadle erzählte außerdem, wie prägend für ihn die Musik von Hancock von Jugend an gewesen ist.

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